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Veränderung leben

Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten im ifs verändert. Viele dieser Veränderungen durfte ich miterleben und auch mitgestalten: Bestehende Bereiche sind gewachsen und haben sich ausdifferenziert, Neues ist hinzugekommen, manche Angebote wurden eingestellt.

Ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen

In vielen ifs Angeboten widerspiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen. Galt es in den Anfangszeiten, Bestehendes zu bewahren – beispielsweise eine Ehe zu "retten" – so zielt unsere Arbeit heute darauf ab, Menschen in Veränderungsprozessen zu begleiten, sodass Übergänge gut bewältigt werden können – ob nun (um beim Beispiel Ehe zu bleiben) eine gefestigte Partnerschaft nach erfolgreich gemeisterter Krise oder eine Scheidung das Ergebnis der Beratung ist.

Früher richtete sich der Fokus auf Prävention. Personen, die ihre Probleme nicht alleine bewältigen konnten, erhielten beim ifs rasche, unbürokratische Hilfe. Heute rückt verstärkt auch der Interventionsauftrag ins Zentrum. Dritte, wie beispielsweise die Kinder- und Jugendhilfe, definieren, wer Hilfsbedarf hat, und verweisen an das ifs.

Auch der Wandel des Frauen- und Familienbildes lässt sich in unseren Angeboten ausmachen. So ist z. B. der früher weitgehend rechtsfreie Raum der Familie dem Recht auf Schutz vor häuslicher Gewalt gewichen. Oder während früher bei Problemen in der Familie vor allem räumliche Distanz geschaffen wurde, indem Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen untergebracht wurden, so werden heute auch die Eltern verstärkt in die Arbeit miteinbezogen und parallel zu den Kindern und Jugendlichen unterstützt.

Immer wieder neu denken

Die Herausforderung war es in all den Jahren, nicht nur Differenzierung und Wachstum zu bewältigen, sondern auch die notwendigen Veränderungen in unserer Arbeit zu erkennen und umzusetzen. Wir waren gefordert zu lernen und immer wieder neu zu denken, um damit unserem Anspruch, gute Hilfestellungen für Problemlösungen zu bieten, gerecht zu werden. Dabei bewegen wir uns immer im Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis eines jeden einzelnen Klienten und dem gesellschaftlichen Auftrag als soziale Institution. Und in diesem Spannungsfeld steckt die Herausforderung, die jedem Veränderungsprozess innewohnt: Nur wenn unterschiedliche Haltungen und Werte Raum finden dürfen, kann Veränderung passieren.

Auf Wiedersehen

Generell geht es im Leben nicht darum, das Ziel zu erreichen, sondern Veränderung zu leben, Vielfalt zuzulassen, aus Vergangenem zu lernen und optimistisch auf Neues zuzugehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für 2019 das Allerbeste und möchte zugleich auf Wiedersehen sagen. Denn auch ich persönlich stehe vor einer Veränderung und werde nach über 43 Jahren Arbeit im Sozialbereich meine Tätigkeit als ifs Geschäftsführer beenden und mich in den Ruhestand verabschieden. Vielen Menschen konnten wir in den vergangenen Jahren weiterhelfen und ich bin dankbar, dass ich einen Beitrag leisten konnte, um dies zu ermöglich. Der Sozialbereich in unserer modernen Welt ist höchst herausfordernd und damit wird das Engagement vieler – vielleicht auch Ihres – mehr denn je gebraucht.

Dr. Stefan Allgäuer