Mag. Marion Hepberger
Interpark Focus 40
6832 Röthis
Nicht die dunkle Seitenstraße oder das leere Parkhaus, sondern das eigene Zuhause ist für viele Frauen der gefährlichste Ort. In Österreich erlebt jede dritte Frau Gewalt in den eigenen vier Wänden. Auch in Vorarlberg zeigt sich das Ausmaß deutlich: Das Gewaltschutzzentrum Vorarlberg unterstützte bis Ende Oktober 2025 insgesamt 974 Betroffene, in der ifs FrauennotWohnung fanden 74 Frauen und 60 Kinder Schutz und Zuflucht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass häusliche Gewalt zu den drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zählt. Umso wichtiger ist es, Tabus zu durchbrechen und das vielfältige Unterstützungsangebot sichtbar zu machen. Im ifs arbeiten im Rahmen der österreichweit einzigartigen Initiative "Gemeinsam gegen Gewalt" sieben Bereiche des Opferschutzes und der Täterarbeit eng zusammen, um Gewalt nachhaltig zu verhindern.
Die internationale Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen", die jährlich vom 25. November bis 10. Dezember stattfindet, stellt den geeigneten Rahmen dar, um das Thema verstärkt in den Fokus zu rücken und das Bewusstsein für häusliche Gewalt zu schärfen. Das ifs bietet Opfern von häuslicher Gewalt oder Stalking umfassende und niederschwellige Unterstützung. "Entscheidend ist, dass Betroffene schnell Zugang zu Beratung und Schutz erhalten", betont Angelika Wehinger, Leiterin des Gewaltschutzzentrums Vorarlberg. Zugleich setzt das ifs auf einen zweiten, ebenso wichtigen Ansatz: die Arbeit mit gewaltausübenden Personen. "Nur wenn Täter:innen ihr Verhalten reflektieren, Verantwortung übernehmen und neue Strategien erlernen, kann Gewalt nachhaltig beendet werden", ergänzt Mario Enzinger, Leiter der ifs Gewaltberatung und ifs Beratungsstelle für Gewaltprävention. "In diesem Jahr haben wir in der ifs Gewaltberatung bereits 496 Klient:innen begleitet. Zudem wurden 440 Personen von der Polizei an die ifs Beratungsstelle für Gewaltprävention zugewiesen."
Ein Thema, das in der öffentlichen Debatte oft zu wenig Beachtung findet, ist Gewalt gegen ältere Menschen. "Gewalt kennt keine Altersgrenze. Aber es ist nie zu spät, Hilfe zu holen", erklärt Angelika Wehinger. "Gewalt im häuslichen Kontext kann über Jahre hinweg bestehen, sich verändern oder auch neu entstehen – und sie findet häufig im Verborgenen statt. Im Alter kommen Abhängigkeiten und gesundheitliche Einschränkungen hinzu, die es zusätzlich erschweren, Hilfe zu suchen." Das ifs setzt sich deshalb gezielt dafür ein, Gewalt an älteren Menschen sichtbar zu machen und darüber aufzuklären. In diesem Zusammenhang wird im Bregenzerwald am 2. Dezember 2025 die Kooperationsveranstaltung "Häusliche Gewalt im Alter – Tabu und Realität" organisiert.
Im Rahmen der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" finden weitere Veranstaltungen statt. Im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts wird am 25. November 2025 in Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg die Veranstaltung "Aussage gegen Aussage im Strafverfahren" organisiert. Diese beleuchtet die besonderen Herausforderungen von Gewaltbetroffenen im Strafverfahren, insbesondere in Situationen, in denen Aussage gegen Aussage steht und Täter:innen die Vorwürfe bestreiten. Das ifs Präventionsprojekt StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt präsentiert von 25. November bis 10. Dezember 2025 in der Landesbibliothek eine Plakatausstellung. Auf den Plakaten sind Menschen aus Vorarlberg abgebildet, die sich mit einem Zitat klar gegen Gewalt an Frauen und Kindern positionieren. So erfahren Betroffene, dass sie nicht allein sind, dass es Unterstützung in ihrem Umfeld gibt und Gewalt nicht toleriert wird. Zudem setzt StoP verschiedene Aktionen um, darunter der Verkauf von Bilderrahmen, in die zahlreiche Menschen symbolische Netze gegen Gewalt gewebt haben.
"Wir werden nicht müde, uns für ein gewaltfreies Miteinander einzusetzen", betonen Wehinger und Enzinger stellvertretend für alle ifs Fachbereiche, die sich für Gewaltschutz engagieren. "Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz und Sicherheit. Und jeder Tag ohne Gewalt ist ein Gewinn – für die Betroffenen und die gesamte Gesellschaft."
Beratung und Unterstützung für Menschen, die von häuslicher Gewalt und/oder Stalking betroffen sind
2024: 1.100 Klient:innen
Schutz und Zuflucht für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder
2024: 66 Frauen und 66 Kinder
Beratung und Hilfe für Frauen und Mädchen, die von sexueller Gewalt betroffen sind
2024: 116 Klientinnen
Beratung und Hilfe für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche sowie deren Bezugspersonen
2024: 548 Klient:innen
Gewaltpräventionsprojekt mit dem Ziel, ein Bewusstsein für das Thema häusliche Gewalt zu schaffen und Menschen zu ermutigen, bei Gewalt nicht wegzuschauen, sondern zu handeln
Beratung für gewalttätige bzw. gewaltbereite Menschen
2024: 490 Klient:innen
Verpflichtende Beratung für Personen, gegen die ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen wurde
2024: 540 Klient:innen, die im Zeitraum von 01.01. bis 31.12.2024 von der Polizei zugewiesen wurden
Das ifs bietet Menschen in psychischen und sozialen Krisensituationen Hilfe und Unterstützung. Die Angebote richten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen sowie an Familien und Paare. Zudem stehen sie speziellen Zielgruppen wie Menschen mit Beeinträchtigungen oder Migrationshintergrund, Opfern von Gewalt und gewaltausübenden Personen offen. Im Rahmen der Regionalen Sozialberatung erhalten Hilfesuchende auch ohne vorherige Anmeldung Beratung, Information und sofortige Hilfe in Krisensituationen.
Gründungsjahr: 1962
Geschäftsführerin: Martina Gasser
Klient:innenzahl 2024: 37.590 Menschen
Mitarbeiter:innenzahl (Stand November 2025): 658
www.ifs.at
Mag. Marion Hepberger
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