ifs_jahresbericht_2025

Beratung bleibt dran S. 8 Wenn Krisen den Alltag erschweren, begleiten wir Menschen verlässlich – oft weit über das erste Gespräch hinaus. Neue Wege finden S. 20 Abstand schafft Raum, um schwierige Themen anzusprechen und wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Jahr in Zahlen S. 30 Jede Zahl steht für einen Menschen, der Unterstützung gesucht hat. Die Klient:innenzahlen zeigen die Reichweite unserer Arbeit. Jahresbericht 2025 Kurshaltens im Wandel

Inhalt Impressum: Herausgeber, Verleger und Eigentümer: Institut für Sozialdienste, Interpark Focus 40, 6832 Röthis, Tel.: 05-1755-500, E-Mail: ifs@ifs.at; Für den Inhalt verantwortlich: ifs Geschäftsführerin Martina Gasser; Redaktion: Alexandra Breuß; Grafische Gestaltung: Silke Hopf; Design: G´spür Contentagentur; Konzept: clavis; Fotos: iStock.com, Adobe Stock, ifs, KI-Bildmaterial / Widerspruchsbelehrung: Wenn Sie möchten, dass wir Sie fortan nicht mehr über den ifs Jahresbericht informieren und Ihre Daten aus unserer Datenanwendung entfernen, so lassen Sie uns das wissen. Eine Mail an kommunikation@ifs.at genügt. 03 Jahresbericht 2025 | Vorwort Verlässlichkeit gibt Orientierung 04 Stimmen aus dem Verein Vorwort des ifs Präsidenten Christoph Winder 06 Rückblick Halt geben in bewegten Zeiten 08 Berichte aus den Geschäftsfeldern Regionale Sozialberatung Inklusion & Selbstbestimmung Fachberatung Kinder-, Jugend- & Familiendienste Intensive Einzelbetreuung 28 Ausblick Veränderungen im Blick, Menschen im Mittelpunkt 30 Das ifs in Wort und Zahl Zahlen und Fakten zum Jahr 2025 Jahresbericht 2025 | Inhalt 2

Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht von selbst. Er wächst dort, wo Menschen Unterstützung erfahren, wo Perspektiven eröffnet werden und niemand mit seinen Herausforderungen allein bleibt. Verlässlich für Menschen in psychosozialen Notlagen da zu sein, ist seit jeher Auftrag und Anspruch des ifs – gerade in herausfordernden Zeiten. Das vergangene Jahr hat uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig diese Verlässlichkeit ist. Die finanziellen Rahmenbedingungen im Sozialbereich haben sich verändert und erfordern Anpassungen. Gemeinsam haben wir Verantwortung übernommen, Abläufe überprüft und notwendige Maßnahmen gesetzt. Dabei war es unser Ziel, die Auswirkungen für unsere Klient:innen so gering wie möglich zu halten. Dass Unterstützung weiterhin zuverlässig angeboten werden konnte, ist dem großen Engagement unserer Mitarbeiter:innen zu verdanken. Gleichzeitig haben wir uns intensiv mit den geplanten Strukturveränderungen im Sozialbereich auseinandergesetzt. Als Organisation mit jahrzehntelanger Erfahrung bringen wir unser Wissen aus der Praxis aktiv in diesen Prozess ein. Gemeinsam Verantwortung tragen Unterschiedliche Sichtweisen gehören zu einer lebendigen Demokratie und sind Voraussetzung für gute Entscheidungen. Was die verschiedenen Akteur:innen im Sozialbereich verbindet, ist das gemeinsame Ziel, bestmögliche Rahmenbedingungen für die Menschen in Vorarlberg zu schaffen. Dafür braucht es Dialog, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Das ifs wird diesen Weg weiterhin konstruktiv mitgestalten. Wir halten Kurs, indem wir Veränderungen offen begegnen und gleichzeitig an den Werten festhalten, die unsere Arbeit prägen: Menschlichkeit, Fachlichkeit, Teilhabe und soziale Verantwortung. Dank für das Miteinander Mein Dank gilt unseren Geldgebern – dem Land Vorarlberg, den Städten und Gemeinden im Vorarlberger Sozialfonds, den Bundesministerien, dem Land Tirol, den Sozialversicherungsträgern und der ÖGK. Ebenso danke ich allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen, den Vereinsmitgliedern, den ehrenamtlichen Aufsichtsgremien, den Kooperationspartner:innen und allen freiwillig Engagierten. Ein besonderer Dank gilt den Menschen, die sich an uns wenden und uns ihr Vertrauen schenken. Sie stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit und geben unserem täglichen Handeln Sinn und Richtung. Martina Gasser Geschäftsführerin Institut für Sozialdienste Jahresbericht 2025 Verlässlichkeit gibt Orientierung Wir halten Kurs, indem wir Veränderungen offen begegnen und gleichzeitig an den Werten festhalten, die unsere Arbeit prägen. Jahresbericht 2025 | Vorwort 3

Den Menschen im Blick Vorwort des ifs Präsidenten Christoph Winder Stimmen aus dem Verein Mag. Dominik Toplek Nicht selten trifft ein Wandel bereits herausgeforderte Menschen stärker. Ich kann den bei mir Hilfesuchenden nicht das geben, was sie brauchen, und bin daher sehr dankbar, dass ich diese Menschen an das ifs verweisen kann, wo sie kompetente, vielfältige Hilfe erfahren. Katharina Wiesflecker Ich assoziiere mit ifs und „Kurshalten im Wandel“ zwei Dinge: das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren – übertragen auf das ifs bedeutet das, die Bedarfe der Kinder, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen zu sehen. Gleichzeitig geht es darum, die Organisation durch stürmische Gewässer zu führen, das heißt, sich der eigenen Stärken bewusst zu sein und Strategien anzupassen. Wir leben in Zeiten des Wandels. Gesellschaftliche Entwicklungen, wirtschaftliche Veränderungen und neue finanzielle Rahmenbedingungen prägen unsere Gegenwart. Vieles wird neu bewertet, bestehende Strukturen werden hinterfragt und Diskussionen geführt, wie vorhandene Mittel künftig eingesetzt werden sollen. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Für das ifs steht dabei der Mensch im Mittelpunkt. Daran orientiert sich unser Handeln – heute genauso wie in Zukunft. Kurshalten im Wandel bedeutet nicht, um jeden Preis an Bestehendem festzuhalten. Veränderungen gehören zu einer lebendigen Gesellschaft und eröffnen immer wieder die Möglichkeit, Angebote, Abläufe und Strukturen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Über den richtigen Weg darf und soll diskutiert werden. Entscheidend ist, dass dabei das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verloren wird: Menschen in Not jene Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen, und damit den sozialen Zusammenhalt in Vorarlberg zu stärken. Strukturen im Sozialbereich sind kein Selbstzweck. Sie müssen sich daran messen lassen, ob sie den Menschen dienen und wirksame, nachhaltige Hilfe ermöglichen. Deshalb sind wir bereit, uns konstruktiv an notwendigen Entwicklungen zu beteiligen. Wichtig ist es, in solch herausfordernden Zeiten auf das, was Bestand hat, vertrauen zu können. Die fachliche Kompetenz, langjährige Erfahrung und das Engagement unserer Mitarbeiter:innen geben mir die Zuversicht, dass wir unseren Auftrag auch künftig verlässlich erfüllen können. Für die langjährige gute Zusammenarbeit danke ich dem Land Vorarlberg, den Städten und Gemeinden sowie den zuständigen Bundesministerien. Ebenso danke ich herzlich der Geschäftsführung, den Führungskräften, den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen sowie den Mitgliedern des Präsidiums, des Aufsichtsrats und des Vereins. Gemeinsam halten wir Kurs – mit klarem Blick auf das Ziel und mit dem Menschen im Mittelpunkt. Jahresbericht 2025 | Stimmen aus dem Verein 4

Bgm. Dieter Egger Vorarlberg verfügt über ein hervorragendes Soziales Netz, das Menschen in schwierigen Situationen unterstützt und auffängt. Das ifs ist ein verlässlicher Partner der Menschen und der Gemeinden. Dafür ein herzliches Danke! Katharina Urbanz Das ifs hilft in Notsituationen und setzt sich sinnvoll für die Gemeinschaft ein, indem dort gespart wird, wo es wirklich Sinn macht. Vereinsorgane sind • die Vollversammlung • das Präsidium Die Durchführung der Aufgaben erfolgt in der ifs gemeinnützigen GmbH. Präsidium (gewählt) • Präsident Ing. Christoph Winder, MBA • Vizepräsidentin Dr.in Evelyn Marte-Stefani • Schriftführer Dr. Ludwig Rhomberg • Finanzreferent Dr. Stefan Allgäuer • Mag.a Ruth Kucera-Dörler Kuratoriumsmitglieder • Dr. Stefan Allgäuer • Dr. Hans-Peter Bischof • Ernst Blum • Bgm. Dieter Egger • Dr. Alois Flatz • Anna Franz • Johannes Gasser, MSc, BA • Mag. Klaus Gerstgrasser • Harald Giesinger • Dr.in Eva Grabherr • Gabriele Graf • Mag.a Katharina Graf • Dr.in Marianne Grobner • Dr. Bernd Hartmann • Ing. Otto Kazil • Brigitta Keckeis • Hans Kogler • Sr. Maria-Stella Krimmel, OCist. • Mag.a Ruth Kucera-Dörler • Günter Lampert • Mario Leitgeber, BA • Dr. Hans-Peter Ludescher • Dr.in Evelyn Marte-Stefani • Elisabeth Mathis • Dr. Johannes Müller • Mag. Martin Ohneberg • Dr. Ludwig Rhomberg • Bgm. Michael Ritsch, MBA • Dr. Johannes Schmidle • LAbg. Heidi Schuster-Burda • LAbg. Andrea Schwarzmann • Angelika Schwarzmann • Dr.in Gabriele Sprickler-Falschlunger • Inge Sulzer, MSc • Mag. Dominik Toplek • Mag.a Elisabeth Tschann • Katharina Urbanz • Dr. Karl Waltle • Katharina Wiesflecker • Ing. Christoph Winder, MBA • Mag.a (FH) Manuela Wolf • Dr. Helgar Wurzer • Helmut Zimmermann • Dr. Klaus Zitt Geschäftsführerin • Mag.a Dr.in Martina Gasser, MBA Aufsichtsrat von der Generalversammlung bestellt • Mag.a Ruth Kucera-Dörler (Aufsichtsratsvorsitzende) • Harald Giesinger (stellvertr. Aufsichtsratsvorsitzender) • Mag.a Katharina Graf vom Betriebsrat entsendet • Iris Seewald • Stefan Bitschnau, BA (Stand Juni 2026) Der Verein Institut für Sozialdienste Das Institut für Sozialdienste ist ein Verein, der sich aus natürlichen Personen zusammensetzt. Der Verein ist konfessionell und politisch ungebunden. Jahresbericht 2025 | Stimmen aus dem Verein 5

Gesellschaftliche Veränderungen und zunehmende Herausforderungen machen Unterstützungsangebote notwendig, die flexibel, niederschwellig und nahe an den Lebenswelten der Menschen sind. Das ifs bietet Hilfe in akuten Krisen ebenso wie bei längerfristigen sozialen und psychischen Belastungen und begleitet Klient:innen mit individuell abgestimmter Unterstützung. Neben Beratung, Begleitung und intensiver Betreuung spielt auch Prävention eine wichtige Rolle. Ausgewählte Projekte, fachliche Schwerpunkte und neue Ansätze geben Einblicke in die vielfältige Arbeit des ifs. Teilhabe ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigungen sollen ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Deshalb wurde im Geschäftsfeld ifs Inklusion & Selbstbestimmung alles daran gesetzt, auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen verlässlich für die Klient:innen da zu sein. Durch das hohe Engagement der Mitarbeitenden gelang es, Hilfesuchenden zeitnah Unterstützung zu bieten und Wartelisten großteils zu vermeiden. So blieb der Zugang zu wichtigen Angeboten für Menschen mit Beeinträchtigungen erhalten. Kompetenzen bündeln, Zusammenarbeit stärken Die Fachbereiche ifs Fokussierte Einzelbetreuung, ifs Sozialpsychiatrische Intensivbetreuung Vorarlberg, ifs SIB Tirol Autismus und ifs SIB Tirol Einzelbetreuung wurden organisatorisch zusammengeführt. Die verstärkte Zusammenarbeit fördert den bereichsübergreifenden Austausch und ermöglicht die gezielte Bündelung von Kompetenzen. So können Synergien genutzt und wichtige Voraussetzungen für bedarfsgerechte und wirksame Unterstützungsangebote geschaffen werden. Rückblick Halt geben in bewegten Zeiten Menschen brauchen keine vorgefertigten Lösungen, sondern Unterstützung, die zu ihrer Situation passt. Jahresbericht 2025 | Rückblick 6

Schutz im digitalen Raum Kinder und Jugendliche sind zunehmend mit Gewalt im digitalen Raum konfrontiert – etwa durch die ungewollte Verbreitung von Bildern, sexualisierte Übergriffe im Netz, den Kontakt mit gewaltverherrlichenden Inhalten oder durch Cybermobbing. Mit dem Projekt „Kinderschutz bei medialer Gewalt“ wurde ein spezialisiertes Angebot geschaffen, das Betroffene und ihre Familien in belastenden Situationen unterstützt. Durch Beratung, Krisenintervention und fachliche Begleitung erhalten sie rasche, niederschwellige und vertrauliche Hilfe. Ziel ist es, Betroffene zu stabilisieren, ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und nachhaltige Schutzfaktoren zu stärken. Zugang zu Unterstützung erleichtern Gemeinsam mit der Abteilung Gesundheit, Soziales und Pflege der Stadt Dornbirn veranstaltete das ifs den Workshop „Erste Hilfe für den Geldbeutel“. Dieser wurde im Rahmen des Projekts „Achtsamer Bezirk /Community Nurses“ durchgeführt, das soziale Gesundheit, Nachbarschaftshilfe und Fürsorge stärkt. Der Workshop richtete sich vor allem an ältere Menschen mit geringem Einkommen. Ziel war es, Hemmschwellen abzubauen, den Zugang zu Informationen zu erleichtern und die Anbindung an bestehende Angebote zu fördern. Die Teilnehmenden setzten sich mit Themen wie Haushaltsbudget, Fördermöglichkeiten und Sparzielen auseinander und erhielten praxisnahe Anregungen für den Umgang mit den eigenen finanziellen Ressourcen. Wer fragt, macht nichts falsch Suizidalität und nicht suizidales selbstverletzendes Verhalten im Kindes- und Jugendalter sind Themen, denen Fachpersonen im Beratungsalltag immer wieder begegnen. Um Wissen und Handlungssicherheit im Umgang mit Krisensituationen zu stärken, initiierte das ifs einen fachlichen Themenschwerpunkt. Im Rahmen interner Fortbildungen wurden Grundlagenwissen und praxisnahe Methoden vermittelt sowie Raum für Reflexion und Austausch geschaffen. Die Schulungen leisteten einen wichtigen Beitrag zur fachlichen Weiterbildung und vermittelten mehr Sicherheit im Umgang mit herausfordernden Situationen. Wohnortnahe Beratung Wohnortnahe Beratungsangebote erleichtern den Zugang zu psychosozialer Unterstützung und ermöglichen frühzeitige Hilfe. Die regionalen Sprechstunden in den Gemeinden Höchst, Lauterach, Nenzing, Schruns und Wolfurt leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Durch die Präsenz vor Ort können Menschen niederschwellig erreicht und Unterstützungsangebote leichter zugänglich gemacht werden. Die enge Zusammenarbeit mit den Sozialabteilungen der Gemeinden, den Sozialsprengeln und weiteren regionalen Netzwerkpartner:innen unterstützt eine rasche Klärung von Anliegen und die Weitervermittlung an passende Hilfsangebote. Ab Herbst 2026 wird das Angebot zusätzlich auf die Gemeinde Hard ausgeweitet. Jahresbericht 2025 | Rückblick 7

Oft reicht ein einzelnes Beratungsgespräch nicht aus, um Probleme zu lösen. Denn häufig kommen mehrere Belastungen zusammen und verstärken sich gegenseitig. Wenn finanzielle Sorgen, Wohnungsnot, psychische Belastungen, familiäre Konflikte oder Unsicherheiten im Alltag auftreten, verlieren viele Menschen den Überblick. Briefe bleiben liegen, Fristen verstreichen und selbst kleine Schritte erscheinen kaum mehr bewältigbar. Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig verlässliche Unterstützung und stabile Beziehungen sind. Die Sozialberatung unterstützt Menschen in akuten Krisen – oft aber weit darüber hinaus. Was mit einem ersten Kontakt beginnt, entwickelt sich in vielen Fällen zu einer längerfristigen Begleitung. „Anfangs geht es darum, gemeinsam wieder Klarheit zu schaffen und erste, gut bewältigbare Schritte zu setzen“, erklärt Dominik Jochum, Leiter der Sozialberatung Feldkirch. „Dann gilt es dranzubleiben.“ Das bedeutet weit mehr als regelmäßige Gespräche. Es heißt nachfragen, erinnern, ermutigen und gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeiten. Orientierung in schwierigen Zeiten In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen im Alltag für viele Menschen spürbar komplexer geworden. Unterschiedliche Systeme, Anträge und Zuständigkeiten Beratung endet nicht an der Bürotür Schritt für Schritt durch schwierige Phasen Dominik Jochum Leiter ifs Sozialberatung Feldkirch Regionale Sozialberatung * Name von der Redaktion geändert Jahresbericht 2025 | Regionale Sozialberatung 8

Wir sind für Sie da! Ob bei psychosozialen Problemen, Fragen zur Existenzsicherung oder in Krisensituationen – wir hören zu, beraten, unterstützen und bieten bei Bedarf Betreuung. Für eine erste Abklärung oder in akuten Krisen können Sie von Montag bis Donnerstag vormittags ohne Termin in die Regionale Sozialberatung kommen. Die aktuellen Zeiten finden Sie unter www.ifs.at/erstberatungszeiten. treffen häufig auf persönliche Belastungen oder Krisensituationen. Die Berater:innen helfen dabei, Belastungen zu ordnen, sich einen Überblick zu verschaffen und konkrete Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Zusammenarbeit spielt dabei eine wesentliche Rolle. Gemeinden, Schulen, Behörden und Gesundheitsdienste sind wichtige Kooperationspartner:innen. Die Sozialberatung fungiert als zentrale Schnittstelle, die koordiniert, abstimmt und auch dann weiterarbeitet, wenn andere bereits an ihre Grenzen stoßen. Verlässlich an der Seite Entscheidend ist die Haltung der Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen, die von Verlässlichkeit und KonSie brauchen Hilfe? ifs Sozialberatung Bludenz Innovationszentrum Klarenbrunnstraße 12 05-1755-560 bludenz@ifs.at ifs Sozialberatung Bregenz St.-Anna-Straße 2 05-1755-510 bregenz@ifs.at ifs Sozialberatung Bregenzerwald Impulszentrum, Gerbe 1135, Egg 05-1755-520 bregenzerwald@ifs.at ifs Sozialberatung Feldkirch Bärahus Widnau 2 05-1755-550 feldkirch@ifs.at ifs Sozialberatung Dornbirn Kirchgasse 4b 05-1755-530 dornbirn@ifs.at tinuität geprägt ist. Zumeist geht es nicht nur darum, praktische Fragen zu klären, sondern Menschen in herausfordernden Lebenssituationen emotional zu entlasten, Zuversicht zu vermitteln und gemeinsam wieder Handlungssicherheit zu erlangen. „Beratung endet nicht an der Bürotür“, betont Jochum. „Wenn nötig, begleiten wir zu wichtigen Terminen, suchen Menschen zu Hause auf und bleiben auch in schwierigen Phasen verlässlich an ihrer Seite.“ Hausbesuche ermöglichen Einblicke in Lebensrealitäten, die in einem kurzen Gespräch oft verborgen bleiben würden. Gleichzeitig entsteht dadurch Vertrauen – eine wichtige Grundlage dafür, dass Unterstützung überhaupt angenommen werden kann und wirksame Lösungen gefunden werden können. Die Stärke dieser Arbeit liegt dabei nicht nur in ihrer schnellen Handlungsfähigkeit, sondern vor allem in ihrer Kontinuität. Frühzeitige Unterstützung kann verhindern, dass Krisen eskalieren oder Probleme chronisch werden. Gleichzeitig schafft langfristige Begleitung Stabilität und stärkt die Selbstwirksamkeit der Menschen. Ziel ist nicht kurzfristige Entlastung, sondern dauerhafte Perspektiven zu eröffnen. „Mit einer schnellen Lösung in der Akutsituation ist es nicht getan“, betont Dominik Jochum. „Wir wollen Menschen dabei unterstützen, ihren Alltag wieder selbstständig zu bewältigen und langfristig Sicherheit zu gewinnen.“ Kleine Schritte mit großer Wirkung Die Mitarbeitenden erleben täglich, dass kleine Schritte oft große Wirkung entfalten. Ein eingehaltenes Gespräch. Das Gefühl, mit einer schwierigen Situation nicht alleine zu sein. Ein erster Termin, bei dem jemand unterstützend zur Seite steht. Oder einfach die Erfahrung, dass jemand erreichbar bleibt und zuverlässig ansprechbar ist. Jahresbericht 2025 | Regionale Sozialberatung 9

Stabilität schaffen ifs Regionale Sozialberatung Wir beraten und betreuen Menschen, die in belastenden Lebenssituationen Orientierung, Stabilität und konkrete Unterstützung benötigen. Unsere Angebote sind bewusst niederschwellig gestaltet und reichen von Krisenintervention, Existenz- und Wohnraumsicherung über nachgehende Soziale Arbeit und psychologische Beratung bis hin zur Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie Schulsozialarbeit. Wir begleiten präventiv und in akuten Belastungssituationen, klären gemeinsam mit Betroffenen sinnvolle nächste Schritte und stärken Menschen dabei, ihre Lebenssituation nachhaltig zu stabilisieren. Um komplexe Problemlagen wie Armut, Überschuldung, drohenden Wohnungsverlust, familiäre Konflikte, psychosoziale Belastungen oder Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen abgestimmt bearbeiten zu können, wurden die Angebote der Sozialberatung, Familienberatung, Kinder- und Jugendberatung, Schulsozialarbeit, Schuldenberatung und Wohnen im Geschäftsfeld Regionale Sozialberatung gebündelt. Durch die enge Zusammenarbeit mit Gemeinden, Behörden, Bildungseinrichtungen und weiteren regionalen Partner:innen greifen Hilfen rasch und koordiniert. So tragen wir dazu bei, soziale Teilhabe zu sichern, (Kinder-) Armut zu verringern, Wohnraum zu erhalten und existenzbedrohende Lebenslagen frühzeitig zu entschärfen. Warum ist weibliche Wohnungsnot oft kaum sichtbar? Wohnungsnot von Frauen läuft häufig verdeckt ab. Viele versuchen, ihre Situation selbst zu bewältigen – sie bleiben in belastenden Beziehungen, gehen neue Beziehungen ein oder kommen vorübergehend bei anderen unter, nur um nicht wohnungslos zu werden. Besonders Frauen mit Kindern haben große Angst, ihre Wohnung zu verlieren, und oft dauert es lange, bis sie Unterstützung suchen. Dadurch bleibt weibliche Wohnungsnot häufig unsichtbar, obwohl der Druck groß ist. Was zeichnet die ifs Krisenwohnungen aus? Wir sind in Vorarlberg die einzige Einrichtung, die wohnungslose Frauen gemeinsam mit ihren Kindern aufnimmt. Wichtig ist uns ein unkomplizierter Zugang und rasche Unterstützung. Die fünf Krisenwohnungen befinden sich mitten in Wohnanlagen in verschiedenen Regionen Vorarlbergs. Die Frauen leben dort selbstständig – mit eigenem Zimmer und gemeinschaftlich genutzten Räumen. Wir unterstützen bei Krisen und organisieren bei Bedarf weitere Begleitung durch Sozialarbeiter:innen. Von Anfang an steht die Wohnungssuche im Mittelpunkt. Unser Ziel ist klar: Frauen sollen nach ihrem Aufenthalt in eine finanzierbare, menschenwürdige Wohnung wechseln. Welche Herausforderungen zeigen sich aktuell rund um das Thema Wohnen? Die Herausforderungen haben deutlich zugenommen. Leistbarer Wohnraum ist knapp geworden, besonders für Frauen mit Kindern oder mit geringem Einkommen. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig niederschwellige Angebote und verlässliche Unterstützung sind. Viele Frauen brauchen zunächst einen sicheren Ort, um zur Ruhe zu kommen und nächste Schritte planen zu können. Umso wichtiger ist es, früh Perspektiven zu entwickeln und Frauen auf dem Weg in eine stabile Wohnsituation zu begleiten. Drei Fragen an Heidi Lorenzi Leiterin ifs Wohnen Jahresbericht 2025 | Regionale Sozialberatung 10

3.351 überschuldete Menschen entwickelten gemeinsam mit der Schuldenberatung realistische Perspektiven für eine stabile finanzielle Zukunft. 3.030 Schüler:innen suchten direkt an ihren Schulen die Schulsozialarbeit auf und erhielten Beratung, Begleitung und präventive Hilfe. 2.745 Personen wandten sich an die Familienberatung, um mit Unterstützung belastende Krisen und Konflikte im familiären Umfeld zu bewältigen. 2.679 Hilfesuchende nahmen das breit gefächerte Beratungs- und Betreuungsangebot der Sozialberatung Bregenz in Anspruch. 2.439 Klient:innen fanden bei der Sozialberatung Dornbirn individuelle Beratung und Begleitung bei psychosozialen Fragestellungen. 2.439 Personen nutzten die psychosozialen Angebote der Sozialberatung Bludenz und erhielten Hilfe in schwierigen Lebensphasen. 2.009 Menschen erhielten bei der Sozialberatung Feldkirch bedarfsgerechte Hilfe sowie bei Bedarf psychosoziale Betreuung. 1.231 Kinder und Jugendliche fanden bei der Kinder- und Jugendberatung psychologische und therapeutische Unterstützung, während die Eltern begleitend Beratung in Anspruch nahmen. 829 Klient:innen in herausfordernden Lebenslagen suchten die Sozialberatung Hohenems auf und erhielten individuelle Hilfe und Betreuung. 646 Hilfesuchende erarbeiteten mit Unterstützung der Sozialberatung Bregenzerwald tragfähige Lösungen für persönliche Herausforderungen. 577 Jugendliche und ihre Bezugspersonen suchten bei der Jugendberatung Mühletor ambulante Beratung und Unterstützung. 70 wohnungslose Menschen fanden in den Krisenwohnungen eine vorübergehende Wohnmöglichkeit und unbürokratische Hilfe. 22.045 Menschen nutzten die vielfältigen Beratungs- und Betreuungsangebote und fanden wohnortnahe und unbürokratische psychosoziale Hilfe. 3.351 3.030 2.745 2.679 2.439 2.439 2.009 1.231 829 646 577 70 Jahresbericht 2025 | Regionale Sozialberatung 11

Seit der Geburt ihres Sohnes Felix* ist der Alltag von Sabine M.* gut organisiert – und gleichzeitig voller Herausforderungen. Der Achtjährige lebt mit einer schweren chronischen Erkrankung und benötigt intensive Betreuung und Pflege. Über die Jahre haben sich viele Abläufe eingespielt. Doch als Sabine ihre Arbeitszeit erhöhen muss, um als alleinerziehende Mutter finanziell abgesichert zu bleiben, fällt es ihr zunehmend schwerer, den vielen Anforderungen gerecht zu werden. Zwischen Schule, Therapien, Behördenwegen und Beruf bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Menschen stoßen oft an Grenzen, wenn zusätzliche Herausforderungen den Alltag belasten und vertraute Strukturen nicht mehr tragen. Genau hier setzt die ifs Soziale Integration an. Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Angehörigen werden individuell begleitet und bei Fragen rund um finanzielle Unterstützung, familienentlastende Maßnahmen, Gesundheit, Familie und vieles mehr unterstützt. Gemeinsam wird geklärt, welche Hilfen benötigt werden und wie ein möglichst selbstbestimmter Alltag gelingen kann. Den eigenen Weg weitergehen Mit Unterstützung Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglichen Inklusion & Selbstbestimmung * Name von der Redaktion geändert Jahresbericht 2025 | Inklusion & Selbstbestimmung 12

ifs Soziale Integration begleitet Menschen mit Beeinträchtigung und deren Angehörige in unterschiedlichen Lebenssituationen. Durch individuelle Beratung werden Perspektiven für Alltag, Wohnen, Bildung und Arbeit entwickelt. Das Angebot stärkt Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und soziale Teilhabe. 05-1755-520 soziale.integration@ifs.at finanzielle Möglichkeiten geklärt und erklärt, Hilfen koordiniert und passende Wege durch oft komplexe Versorgungsstrukturen gefunden. Dafür braucht es fundiertes Fachwissen über Beeinträchtigung, Sozialrecht, regionale Unterstützungsangebote und psychosoziale Zusammenhänge. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht passgenaue Unterstützung und echte Teilhabe. Halt geben Im Fall von Sabine M. bedeutet das unter anderem Hilfe bei Fragen der Existenzsicherung sowie Unterstützung bei der Beantragung von Sozialleistungen und der Anschaffung von Hilfsmitteln. Familienentlastende Maßnahmen helfen dabei, Beruf und Betreuung besser zu vereinbaren. Gleichzeitig bietet die psychosoziale Beratung Raum, die vielfältigen Anforderungen zu ordnen, Belastungen zu bewältigen, Entscheidungen zu treffen und langfristig tragfähige Lösungen für ihren Familienalltag zu entwickeln. „Menschen brauchen keine vorgegebenen Lösungen, sondern verlässliche Begleitung auf ihrem eigenen Weg“, betont Manuel Düngler. Genau darin liegt die Aufgabe der Sozialen Integration: Mit fachlicher Expertise und einem ganzheitlichen Blick auf die Lebenssituation Menschen Halt und Orientierung zu geben – auch in bewegten Zeiten. Wir sehen den Menschen Die Begleitung beginnt mit dem Blick auf die persönliche Lebenssituation: Welche Herausforderungen gibt es? Welche Ressourcen sind vorhanden? Und welche Schritte helfen, wieder Stabilität und Sicherheit zu gewinnen? „Jede Lebenssituation ist anders. Deshalb braucht es Unterstützung, die sich an den Betroffenen orientiert und gemeinsam mit ihnen entwickelt wird“, erklärt Manuel Düngler, Leiter der ifs Sozialen Integration. „Wir sehen immer den Menschen mit seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen und reduzieren ihn nicht auf seine Einschränkungen.“ Deshalb besteht ein wichtiger Teil der Arbeit darin, Hilfesuchende dabei zu begleiten, ihre Möglichkeiten und Stärken wahrzunehmen und eigene Entscheidungen treffen zu können. Hilfe soll dort entlasten, wo Belastungen entstehen, gleichzeitig aber auch vorhandene Fähigkeiten stärken. Teilhabe ermöglichen Die ifs Soziale Integration begleitet Menschen mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen sowie chronischen Erkrankungen in allen Fragen des selbstbestimmten Lebens. Dabei geht die Beratung weit über die Vermittlung einzelner Unterstützungsleistungen hinaus: Gemeinsam mit den Betroffenen werden individuelle Lösungen entwickelt, psychosoziale Fragestellungen bearbeitet, rechtliche und Manuel Düngler Leiter ifs Soziale Integration Jahresbericht 2025 | Inklusion & Selbstbestimmung 13

Teilhabe für alle ifs Inklusion & Selbstbestimmung Wir begleiten und unterstützen Menschen mit Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Im Mittelpunkt stehen ihre individuellen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Entwicklungsmöglichkeiten. Inklusion, Selbstbestimmung und Chancengleichheit stellen die grundlegenden Prinzipien unserer Arbeit dar. Ziel ist es, Menschen dabei zu stärken, ihr Leben möglichst eigenständig zu gestalten und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu sichern. Unsere Angebote sind bedarfsorientiert und greifen ineinander. Gemeinsam mit den Klient:innen entwickeln wir individuelle Lösungen, fördern vorhandene Ressourcen und unterstützen dort, wo Begleitung, Orientierung oder Vertretung erforderlich sind. Dabei beziehen wir auch Familiensysteme und das soziale Umfeld mit ein. Schwerpunkte sind: • Diagnostik • Selbständiges und selbstbestimmtes Wohnen und Leben • Teilhabe und Integration am allgemeinen Arbeitsmarkt • Unterstützung in Alltagsfragen sowie psychosoziale Begleitung • Vertretung im Sinne der Selbstbestimmung, der Menschenrechte und Menschenwürde So schaffen wir Voraussetzungen für mehr Selbständigkeit, soziale Integration und Lebensqualität und tragen dazu bei, Barrieren abzubauen und eine inklusive Gesellschaft zu stärken. Wie gelingt ein selbstbestimmtes Leben mit Beeinträchtigung? Franz-Joseph Huainigg gibt persönliche Einblicke in seinen Alltag und zeigt, welche Bedeutung Persönliche Assistenz für sein Leben hat. Humorvoll und anhand persönlicher Erfahrungen erzählt er von Herausforderungen und wie er notwendige Pflegetätigkeiten in seinen Alltag integriert hat. Das Buch bietet Einblicke in das Leben mit Persönlicher Assistenz und zeigt, wie Unterstützung und Selbstbestimmung im Alltag zusammenspielen. Anhand persönlicher Er- lebnisse berichtet der Autor über Verantwortung, den Umgang miteinander sowie Herausforderungen und Lösungsstrategien im täglichen Leben. Buchtipp Selbstbestimmt leben Erzählungen aus dem Leben mit Persönlicher Assistenz Jahresbericht 2025 | Inklusion & Selbstbestimmung 14

2.567 Menschen erhielten auf Grundlage des Erwachsenenschutzgesetzes rechtliche Vertretung sowie fachliche Beratung (Erwachsenenvertretung-Classic, Registrierungen von Erwachsenenvertretungen und Vorsorgevollmachten, Clearings, Beratungen). 1.337 Personen wurden bei freiheitsbe- bzw. -einschränkenden Maßnahmen von der Bewohnervertretung unterstützt und rechtlich vertreten. 1.197 Patient:innen nahmen im Unterbringungsverfahren die rechtliche Vertretung durch die Patientenanwaltschaft in Anspruch bzw. erhielten außerhalb einer Unterbringung Beratung. 1.052 Menschen mit körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigung bzw. chronischer Erkrankung nutzten das umfassende Beratungs- und Unterstützungsangebot der Sozialen Integration. 380 Klient:innen nahmen beim Menschengerechten Bauen Beratung zur barrierefreien Anpassung ihres Wohnraums in Anspruch. 359 Personen erhielten durch klinisch-psychologische Diagnostik individuelle Unterstützung bei Orientierungs- und Entscheidungsprozessen. 343 Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf fanden durch Spagat individuelle Unterstützung bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt. 150 Klient:innen erhielten durch Fundament Unterstützung beim Schritt in die eigene Wohnung sowie beim selbständigen Wohnen. 26 Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf gestalteten mit Beratung und Begleitung ihre persönliche integrative Arbeitsstruktur. 7.411 Menschen fanden individuelle Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben und selbstverständliche gesellschaftliche Teilhabe. 2.567 1.337 1.197 1.052 380 359 343 150 26 Jahresbericht 2025 | Inklusion & Selbstbestimmung 15

Viele Menschen nehmen Psychotherapie erst dann in Anspruch, wenn sie das Gefühl haben, nicht mehr weiterzuwissen. Wie kann Therapie in solchen Situationen helfen? Grundsätzlich kann Psychotherapie viele Dinge. Menschen, die zu uns kommen, haben oft das Gefühl, sich gedanklich nur noch im Kreis zu drehen. Sie haben belastende Situationen immer wieder durchdacht und vieles versucht, kommen aber trotzdem nicht weiter. Dadurch entsteht häufig ein hoher Leidensdruck. Psychotherapie kann hier zunächst einmal einen neuen Blick auf die eigene Situation ermöglichen. Es ist jemand da, der von außen mit draufschaut, mitunter ungewohnte Fragen stellt und Dinge wahrnimmt, die einem selbst vielleicht noch gar nicht aufgefallen sind. Gerade bei sehr persönlichen Themen fällt es vielen schwer, mit anderen darüber zu sprechen. Umso wichtiger ist ein geschützter Rahmen. Im Laufe einer Therapie entsteht idealerweise auch mehr Verständnis für die eigenen Belastungen. Menschen beginnen besser einordnen zu können, warum bestimmte Situationen sie so stark beschäftigen oder weshalb manche Themen immer wieder Stress auslösen. Ein weiterer wichtiger Teil ist das Entwickeln neuer Bewältigungsstrategien. Viele Hilfesuchende haben immer wieder versucht, Schwierigkeiten auf dieselbe Weise zu lösen, ohne dass sich dadurch etwas verändert hat. In Halt finden, wenn vieles schwer wird Ein Gespräch darüber, wie Psychotherapie unterstützen kann, warum Veränderung Zeit braucht und wie Ressourcen aktiviert werden können. Fachberatung Jahresbericht 2025 | Fachberatung 16

Welche Themen beschäftigen Menschen derzeit besonders? Das hängt stark vom Alter und von der jeweiligen Lebenssituation ab. Bei Erwachsenen sehen wir häufig Depressionen, Angststörungen oder Belastungsreaktionen – oft ausgelöst durch Trennungen, Verluste oder dauerhafte Belastungen. Manche Menschen begleiten depressive Symptome aber auch schon über viele Jahre hinweg. Jugendliche beschäftigen häufig Fragen rund um Selbstwert, Orientierung und Zukunftsperspektiven. Viele erleben Druck und Unsicherheit und fragen sich, ob sie den Anforderungen gerecht werden. Bei älteren Menschen fällt wiederum häufiger das Thema Einsamkeit auf. Dazu kommen oft körperliche Erkrankungen oder chronische Beschwerden, die auch psychisch sehr belastend sein können. Manche fragen sich: Wo gehöre ich noch dazu? Was gibt mir im Alltag Halt? Wie gelingt es, Menschen Halt zu geben, wenn vieles ins Wanken gerät? In der Therapie versuchen wir, den Blick nicht ausschließlich auf Probleme zu richten. Natürlich sprechen Menschen zuerst über das, was sie belastet. Gleichzeitig schauen wir aber auch darauf, was trotz allem funktioniert und wo Ressourcen liegen. Oft erleben wir Menschen, die sehr viel tragen und trotzdem weiterhin ihren Alltag bewältigen, für ihre Kinder da sind oder Verantwortung übernehmen. Das zeigt, dass bereits Fähigkeiten vorhanden sind – auch wenn Betroffene diese selbst oft gar nicht mehr wahrnehmen können. Halt entsteht häufig dort, wo Menschen wieder Zugang zu ihren eigenen Ressourcen bekommen und erleben, dass nicht nur die Herausforderungen ihren Alltag bestimmen. Das ist nicht immer leicht, weil viele in belastenden Gedankenmustern festhängen und Probleme ständig weiterdenken. Davon etwas Abstand zu gewinnen, braucht Zeit und Übung. Aber genau dabei kann Psychotherapie unterstützen. der Therapie geht es dann darum, gemeinsam andere Möglichkeiten zu überlegen und neue Wege auszuprobieren. Im besten Fall gewinnen Menschen dadurch wieder mehr Lebensqualität. Sie erleben, dass sie Krisen besser bewältigen können und wieder mehr Freude am Alltag spüren. Was heißt es, in einer Psychotherapie dranzubleiben – gerade dann, wenn es schwierig wird? Therapie ist ein besonderer Rahmen. Menschen sprechen dort über sehr persönliche Krisen, Ängste oder Verletzungen. Das ist oft anstrengend und manchmal auch schmerzhaft. Gleichzeitig gehört es zur therapeutischen Arbeit dazu, schwierige Themen nicht wieder wegzuschieben. Wenn man merkt, dass etwas emotional sehr nahegeht, ist es wichtig, genauer hinzuschauen und in den Schmerz hineinzuspüren. Viele beschreiben Therapie deshalb auch als Arbeit. Manche sagen, sie seien vor einem Termin angespannt oder brauchen danach Zeit, um das Gespräch nachwirken zu lassen. Wichtig ist dabei eine vertrauensvolle Beziehung. Wenn Menschen das Gefühl haben, offen sprechen zu können und ernst genommen zu werden, dann hält diese Beziehung auch schwierige Momente aus. Sigrid Hämmerle-Fehr Leiterin Psychotherapie Vorarlberg Jahresbericht 2025 | Fachberatung 17

Woran merken Menschen, dass sich durch Psycho- therapie etwas verändert? Viele beschreiben zuerst, dass sie innerlich etwas mehr Abstand zu ihren Problemen gewinnen. Situationen werden nicht mehr ausschließlich als überwältigend erlebt und vieles kann besser eingeordnet werden. Oft beginnen Menschen auch wieder mehr am Leben teilzunehmen. Gerade in herausfordernden Phasen ziehen sich viele zurück. Wenn wieder soziale Kontakte entstehen oder Freude an Aktivitäten spürbar wird, merkt man meist, dass sich etwas verändert. Manchmal zeigt sich Veränderung auch in Beziehungen. Menschen erkennen alte Muster besser und reagieren anders als früher. Das sind oft kleine Schritte, die im Alltag aber einen großen Unterschied machen können. Psychotherapie Vorarlberg unterstützt Menschen aller Altersgruppen in psychisch belastenden Lebenssituationen. Über die Clearingstelle wird der individuelle Bedarf geklärt und der passende Therapieplatz vermittelt. Das Angebot stärkt psychische Gesundheit, Stabilität sowie Lebensqualität und wird im Auftrag der ÖGK und des Landes Vorarlberg umgesetzt. 05-1755-522 psychotherapie@ifs.at Halt und Sicherheit ifs Fachberatung Wir begleiten und unterstützen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in belastenden und akuten Krisensituationen – sei es aufgrund psychischer Probleme oder im Zusammenhang mit Gewalterfahrungen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zu Schutz, Stabilisierung und psychischer Gesundheit. Wir begleiten in akuten Gefährdungssituationen ebenso wie bei längerfristigen Belastungen und klären gemeinsam mit den Betroffenen sinnvolle nächste Schritte. Im Geschäftsfeld vereinen wir zwei Schwerpunkte: „Gemeinsam gegen Gewalt“ mit sieben Fachbereichen gegen Gewalt – von ambulanter Opferschutzberatung über stationäre Hilfe für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder, Kinderschutz sowie Gewaltprävention bis zur Arbeit mit Täter:innen – und Psychotherapie Vorarlberg. Während „Gemeinsam gegen Gewalt“ vor allem Schutz, Sicherheit und gewaltfreie Perspektiven schafft, bietet Psychotherapie Vorarlberg ein umfassendes psychotherapeutisches Angebot für Menschen aller Altersgruppen, die aufgrund psychischer Erkrankungen oder Belastungen Unterstützung benötigen. In beiden Bereichen unterstützen wir Betroffene passgenau, sichern Schutz und Stabilisierung und ermöglichen nachhaltige Entwicklungs- und Gesundungsprozesse. 2.976 1.133 634 623 559 492 171 116 Jahresbericht 2025 | Fachberatung 18

6.704 Menschen nahmen professionelle Hilfe in Anspruch, um psychische Belastungen, Gewalt und persönliche Krisen zu bewältigen und neue Perspektiven zu entwickeln. 2.976 Patient:innen nutzten das Angebot von Psychotherapie Vorarlberg zur Behandlung psychischer Belastungen und zur Stärkung ihrer psychischen Gesundheit. 1.133 Betroffene von häuslicher Gewalt und (Cyber-) Stalking fanden im Gewaltschutzzentrum Vorarlberg umfassende Beratung, Unterstützung und konkrete Hilfe. 634 Opfer von Gewalt erhielten im Rahmen der Prozessbegleitung Unterstützung und Entlastung im gerichtlichen Verfahren. 623 Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrung sowie ihre Bezugspersonen fanden im Kinderschutz Beratung und Unterstützung. 559 gewalttätige bzw. gewaltbereite Menschen arbeiteten mit der Gewaltberatung an gewaltfreien Lösungen im Umgang mit Konflikten. 492 Personen, gegen die ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen wurde, absolvierten die verpflichtende Beratung an der Beratungsstelle für Gewaltprävention. 171 von Gewalt betroffene Frauen fanden im Frauenhaus mit ihren Kindern Schutz, Sicherheit und eine vorübergehende Unterkunft. 116 Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erfahren hatten, nutzten das professionelle Hilfs- und Unterstützungsangebot der Frauenberatungsstelle. Jahresbericht 2025 | Fachberatung 19

„Dann geh doch.“ Als ihre Mutter diesen Satz schreit, packt Melanie* ihre Sachen und verlässt die Wohnung. Zum ersten Mal glaubt die 15-Jährige, dass sie wirklich nicht mehr zu Hause bleiben kann. Schon lange ist die Stimmung angespannt. Melanie zieht sich zurück, spricht kaum noch mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater. Mit ihren jüngeren Halbgeschwistern versteht sie sich eigentlich gut, gleichzeitig fühlt sie sich oft ausgeschlossen. „Die dürfen alles“, denkt sie immer wieder. Diskussionen gibt es fast täglich – über Ausgangszeiten, ihr Handy oder ihren Freund. Regeln akzeptiert Melanie kaum noch. Wenn sie zu spät nach Hause kommt, folgen Verbote, doch daran hält sie sich nicht. Ihre Mutter wiederum weiß sich immer weniger zu helfen. Die Konflikte werden heftiger. Beide Seiten fühlen sich unverstanden. Bis die Situation eskaliert. Nach dem Streit verbringt Melanie das Wochenende bei einer Freundin und vertraut sich am Montag in der Schule der Schulsozialarbeiterin an. Gemeinsam wenden sie sich an die Kinder- und Jugendhilfe und so bekommt Melanie die Möglichkeit, vorübergehend in der ifs Krisen- wohngruppe Kompass unterzukommen. Wenn Abstand Nähe ermöglicht Orientierung in schwierigen Zeiten Kinder-, Jugend- & Familiendienste * Name von der Redaktion geändert Jahresbericht 2025 | Kinder-, Jugend- & Familiendienste 20

Situation und eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Melanies Mutter erfährt, wie sehr sich ihre Tochter als Außenseiterin erlebt. Melanie wiederum merkt, wie überfordert ihre Mutter zuletzt war. Gemeinsam sprechen sie darüber, warum Streitigkeiten so schnell eskalieren und was zu Hause künftig helfen könnte. Welche Vereinbarungen braucht es? Wo braucht Melanie mehr Freiraum? Was kann die Familie tun, bevor Konflikte wieder außer Kontrolle geraten? Neue Wege zurück nach Hause Mit der Zeit wächst bei Melanie der Wunsch, nach Hause zurückzukehren. Auch ihr Stiefvater wird in die Gespräche einbezogen. Gemeinsam entstehen neue Vereinbarungen und konkrete Pläne für den Alltag. Die Mitarbeitenden von Kompass begleiten die Familie dabei, realistische Lösungen zu entwickeln und sich auf schwierige Situationen vorzubereiten. Zusätzlich entscheidet sich die Familie, nach der Rückkehr weitere ambulante Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Zeit bei Kompass hat der Familie geholfen, Abstand zu gewinnen, schwierige Themen anzusprechen und wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht, weil plötzlich alles einfach geworden wäre. Sondern weil wieder Zuversicht entstanden ist, gemeinsam Lösungen finden zu können. Ein Ort zum Innehalten Viel erwartet hat sie sich nicht. Doch bei Kompass erlebt Melanie zunächst etwas anderes: Abstand. Ruhe. Einen sicheren Ort. Und Menschen, die zuhören, ohne sofort zu urteilen. In einer Situation, in der zu Hause niemand mehr weiterweiß, wird Kompass für Melanie zu einem Ort der Orientierung und Stabilität. Die Mitarbeitenden unterstützen sie dabei, wieder eigene Handlungsfähigkeit zu spüren. Gemeinsam werden Tagesabläufe gestaltet, Perspektiven besprochen und Ziele für die nächsten Wochen entwickelt. Gleichzeitig bekommt Melanie Zeit und Raum, um über die vergangenen Wochen zu sprechen. Schritt für Schritt beginnt sie, sich ihrer Beraterin anzuvertrauen. Sie erzählt, wie fremd sie sich in ihrer Familie oft fühlt und wie schwierig die Konflikte zuletzt geworden sind. Zuhören verändert vieles Parallel dazu arbeitet Kompass mit der Familie. Die Mitarbeitenden organisieren und begleiten Gespräche zwischen Melanie und ihrer Mutter. Dabei geht es nicht darum, Schuldige zu finden, sondern besser zu verstehen, was hinter den Konflikten steckt und was alle brauchen, damit ein Zusammenleben wieder möglich werden kann. Die Zeit bei Kompass schafft Abstand zur festgefahrenen ifs Kompass bietet Jugendlichen in akuten Krisensituationen eine vorübergehende Unterbringung und intensive Begleitung. Im Mittelpunkt stehen ein geschützter Alltag, Stabilisierung sowie das Erarbeiten von Perspektiven. Eltern und Bezugspersonen werden, wenn möglich, in den Prozess mit einbezogen. 05-1755-557 kwg.kompass@ifs.at Andreas Keckeis Leiter ifs Krisenwohngruppe Kompass Jahresbericht 2025 | Kinder-, Jugend- & Familiendienste 21

Kindeswohl sichern ifs Kinder-, Jugend- & Familiendienste Wir setzen uns für das Wohl und die Rechte von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien ein und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stabilität von Familien. In belastenden Lebenssituationen begleiten wir bedarfsorientiert – ambulant, nachgehend und / oder stationär. Unsere Angebote sind flexibel gestaltet und setzen dort an, wo junge Menschen, ihre Familien und wichtige Bezugspersonen an ihre Grenzen stoßen. Der Zugang erfolgt über Zuweisung durch die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe. Durch Beratung, konkrete Unterstützung, alltagsnahe Begleitung und geschützte Betreuungsrahmen werden Entwicklungsbedingungen verbessert, das Kindeswohl gesichert und soziale Teilhabe ermöglicht. Gemeinsam entwickeln wir Perspektiven, stärken vorhandene Ressourcen und schaffen Voraussetzungen für Stabilisierung und Neuorientierung. Damit legen wir die Basis für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben im Erwachsenenalter. Die WG Hörbranz bietet bis zu 20 unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten zwischen 14 und 21 Jahren ein sicheres Zuhause auf Zeit. Nach oft langen Fluchtwegen und belastenden Erfahrungen begleiten die Mitarbeitenden die Jugendlichen auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben. Im Mittelpunkt steht zunächst das Ankommen: Die Jugendlichen lernen Deutsch, entwickeln eine Tagesstruktur und erwerben Schritt für Schritt wichtige Alltagskompetenzen. Schule, Ausbildung und berufliche Perspektiven spielen eine zentrale Rolle. Die WG Hörbranz unterstützt die Jugendlichen auch dabei, Teil der Gesellschaft zu werden. Sport- und Freizeitangebote, gemeinsame Ausflüge sowie die Einbindung in Vereine fördern Begegnung, Gemeinschaft und Integration. Der Alltag in der WG ist von Herausforderungen geprägt. Kriegserfahrungen, Unsicherheiten über die Zukunft und das Fehlen familiärer Bezugspersonen führen immer wieder zu Spannungen. Gerade dann ist es wichtig, verlässliche Beziehungen anzubieten und dranzubleiben. Die WG Hörbranz bietet den Jugendlichen einen stabilen Ort, an dem sie Sicherheit, Orientierung und Vertrauen erleben können. 05-1755-524 wg.hoerbranz@ifs.at Schon Gewusst? Ein sicheres Zuhause auf Zeit Jahresbericht 2025 | Kinder-, Jugend- & Familiendienste 22

926 Minderjährige und ihre Familien erhielten durch die verschiedenen Angebote der Familienarbeit ambulante und nachgehende Unterstützung sowie sozialpädagogische Begleitung im familiären Alltag. 126 Jugendliche wurden durch die Nachgehende sozialpädagogische Arbeit unterstützt, ihren Weg in ein selbständiges Leben zu gestalten. 91 junge Menschen in akuten Notsituationen fanden in der Krisenwohngruppe Kompass eine vorübergehende Wohnmöglichkeit, Betreuung und gezielte Krisenintervention. 77 Minderjährige und ihre Familien fanden in akuten Krisen auch außerhalb der Öffnungszeiten der Kinder- und Jugendhilfe sofortige Unterstützung durch den Familienkrisendienst. 1.365 Kinder, Jugendliche und ihre Familien erhielten ambulante, nachgehende oder stationäre Betreuung und Unterstützung. 926 126 91 77 54 51 25 15 54 Jugendliche erhielten durch das Ambulant betreute Wohnen Unterstützung bei der eigenverantwortlichen Gestaltung ihres Alltags in der eigenen Wohnung. 51 jugendliche Klient:innen entwickelten mit Unterstützung der Flexiblen intensivpädagogischen Betreuung ihre sozialen Kompetenzen für ein gelingendes familiäres Zusammenleben weiter. 25 Minderjährige mit Fluchterfahrung und besonderem Betreuungsbedarf erhielten in der WG Hörbranz Stabilität und verlässliche Begleitung. 15 junge Menschen erhielten in der WG Unterland eine geschützte Wohnmöglichkeit und wurden unter Einbezug ihrer Familien in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert und begleitet. Jahresbericht 2025 | Kinder-, Jugend- & Familiendienste 23

Als die ersten Hilferufe aus dem Umfeld laut werden, hat sich die Situation bereits stark zugespitzt. Herr K. hat seine Medikamente eigenmächtig abgesetzt, was die Symptome seiner schweren psychischen Krankheit weiter verstärkt. Er zieht sich immer mehr zurück und verliert schließlich zunehmend den Bezug zur Realität. Das Haus verwahrlost, er selbst wirkt völlig orientierungslos, irrt umher und nimmt Menschen in seiner Umgebung kaum mehr wahr. Menschen mit schweren und langjährig bestehenden psychischen Erkrankungen benötigen oft weit mehr als medizinische Behandlung. Viele von ihnen haben bereits zahlreiche Klinikaufenthalte, Krisen und Beziehungsabbrüche erlebt. Häufig gehen mit der Erkrankung soziale Isolation, Schwierigkeiten in der Selbstversorgung und der Verlust von Sinn im und am Leben einher. Gleichzeitig fällt es Betroffenen schwer, bestehende Unterstützungsangebote anzunehmen und stabile Beziehungen zu Hilfesystemen aufzubauen. Am Rand des Alltags Mit intensiver Begleitung zu mehr Stabilität und Selbstbestimmung Intensive Einzelbetreuung Jahresbericht 2025 | Intensive Einzelbetreuung 24

Selbstbestimmung entstehen können“, betont Dein-Koch. Durch Beziehung Halt geben Zurück zu Herrn K.: Auf Initia- tive von Gemeindemitarbeiter:innen wird die SIB beauftragt, notwendige Unterstützung zu organisieren und ihn gemeinsam mit weiteren Beteiligten durch die Krise zu begleiten. Die Behandlung in der psychiatrischen Klinik wird veranlasst, gleichzeitig beginnt dort bereits die Betreuung durch Mitarbeitende der SIB. Gerade in dieser Phase werden persönliche Beziehungen aufgebaut, die später tragen. Es braucht Vertrauen von allen Seiten, um gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Heute lebt Herr K. wieder in seinem Haus und liebt seine täglichen kleinen Ausflüge mit dem Fahrrad, das Schwätzchen mit den Nachbarn und das Essen in Gesellschaft. Möglich macht das ein stabiles Unterstützungsnetzwerk aus 24-StundenBetreuung, Angehörigen, Mobilem Hilfsdienst, Krankenpflegeverein und Erwachsenenvertretung. Die SIB unterstützt nach einem Jahr nur noch punktuell durch fachliche Beratung der Beteiligten. Gemeinsam für und mit Klient:innen Engagement zu entwickeln, schafft Verständnis und ermöglicht es, neue Wege zu gehen. Stabilität im Alltag schaffen Genau hier setzt die ifs Sozialpsychiatrische Intensivbetreuung (SIB) Vorarlberg an. Sie begleitet Menschen in besonders belastenden Lebenssituationen und entwickelt individuelle Lösungen für außerordentliche Herausforderungen. Die Arbeit der SIB erfolgt aufsuchend und orientiert sich an der jeweiligen Lebenssituation der Klient:innen. Dazu gehören unter anderem Hilfestellungen bei der medizinischen Versorgung, der Tagesstruktur, der Haushaltsführung, Behördenterminen – und vor allem Zeit zum Zuhören. Gleichzeitig arbeitet die SIB eng mit Kliniken, Angehörigen, Behörden und weiteren Sozialeinrichtungen zusammen. Ziel ist es, Krisen gemeinsam mit den Klient:innen zu bewältigen, den Alltag wieder überschaubar zu gestalten und durch das Erleben neuer Beziehungsqualität auch langfristig Stabilität aufzubauen. Verlässlichkeit als Grundlage „Viele unserer Klient:innen haben erlebt, dass Beziehungen abbrechen oder Hilfesysteme nicht mehr tragen. Deshalb ist Verlässlichkeit ein zentraler Teil unserer Arbeit“, erklärt Susan Dein-Koch, Leiterin der SIB Vorarlberg. Im Mittelpunkt steht dabei, Menschen schrittweise wieder in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu begleiten. „Es geht nicht darum, Entscheidungen für Menschen zu treffen, sondern gemeinsam Wege zu entwickeln, damit wieder Lebensqualität und ifs SIB Vorarlberg begleitet Menschen mit komplexem psychischem Unterstützungsbedarf, die von bestehenden Hilfsangeboten nicht ausreichend erreicht werden. Gemeinsam mit Angehörigen, Fachstellen und Einrichtungen werden individuelle Lösungen entwickelt, um Wohnen, Versorgung und soziale Teilhabe langfristig zu sichern. 05-1755-540 susan.dein-koch@ifs.at Jahresbericht 2025 | Intensive Einzelbetreuung 25 Susan Dein-Koch Leiterin ifs SIB Vorarlberg

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ2MDY0