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wie 24 Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Unter- bringungsgesetzes organisierte die ifs Patienten- anwaltschaft einen Patientinnen- und Patienten- rat. Dieser ist an den Bürgerrat angelehnt und stellt ein innovatives Kleinformat der partizipa- tiven Demokratie dar. Das Ziel der Beteiligung von Bürgerinnen und Bür- gern am demokratischen Miteinander hat uns als Patientenanwälte sehr angesprochen, zumal wir auf ein Gutachten aufmerksam geworden sind, in welchem genau diese Beteiligung von Patienten am österreichischen Gesundheitssystem angeregt und eingefordert wurde. Für uns stellte sich die Frage, ob es möglich ist, Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu einem Patientenrat einzu- laden und sie zu fragen, was ihnen zum Thema „Der Patient hat Recht!“ alles einfällt. Bislang wurde ein solcher Beteiligungs- prozess im Gesundheitsbereich in Vorarlberg noch nie durchgeführt, geschweige denn mit Patienten, die bereits Erfahrungen mit einem Aufenthalt im LKH Rankweil gemacht hatten und denen eine psychiatrische Diagnose attestiert wurde. Das Experiment wagen Wir entschieden uns schließlich dafür, das Expe- riment zu wagen. Die Teilnehmerinnen und Teil- nehmer des Patientenrates wurden zu je einem Drittel von der Beratungsstelle „omnibus“ und der Patientenanwaltschaft eingeladen bzw. nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Unser Ziel war die För- derung und Stärkung der Selbstbestimmung, des Empowerments sowie der Gesundheitskompetenz auch und gerade von Menschen mit einer psychi- schen Diagnose bzw. Krankheit. Durch die Einbin- dung von Menschen, die bereits Erfahrungen mit verschiedenen Angeboten der stationären sowie der ambulanten psychiatrischen Versorgung gemacht hatten, sollte deren Erfahrungswissen für die weitere Entwicklung des Gesundheitssy- stems genutzt werden. Der Patientinnen- und Patientenrat fand an drei Nachmittagen im Juni letzten Jahres statt. Ins- gesamt 15 Personen trafen sich zu Workshops in Dornbirn, um sich zum Thema „Der Patient hat Recht!“ auszutauschen. Dabei wurden Themen- bereiche wie die Stärkung der Selbstbestimmung, Ent-Stigmatisierung, Medi- kation, Dosis und Alterna- tiven, mehr Gespräche und Therapieangebote, bauliche Maßnahmen sowie Vorberei- tung der Entlassung intensiv diskutiert. Was in den Workshops am meisten beeindruckte, war die rücksichtsvolle und fein- fühlige Gesprächskultur, die von einem hohen Maß an gegenseitigem Respekt und Anerkennung getragen Der Patient hat Recht! Rückblick auf die Durchführung eines Patientinnen- und Patientenrates „Was in den Workshops am meisten beeindruckte, war die rücksichtsvolle und fein- fühlige Gesprächskultur, die von einem hohen Maß an gegenseitigem Respekt und Anerkennung getragen war.“

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